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Kleine Tierkunde

Was sind Alpakas, warum spricht man von Neuweltkameliden…

Historie

Die Entstehungsgeschichte

Alpakas stammen aus Südamerika. Sie gehören zu der Gruppe der Neuweltkameliden wie auch Lamas oder die wilden Verwandten der beiden domestizierten Typen die Vicuñas und Guanakos. Nach den aktuellen Forschungsergebnissen der Archäozoologin Dr. Jane C. Wheeler, stammen Alpakas von Vicuñas und Lamas von den Guanakos ab. Neuweltkameliden sind die höckerlosen Kamele der Neuen Welt Südamerikas.

Die Neuweltkameliden haben mit den Altweltkameliden (Trampeltier und Dromedar) gemeinsame Vorfahren, die etwa vor 40 Millionen Jahren in Nordamerika lebten. Man geht davon aus, dass die Ahnen der heutigen Altweltkameliden, von dort über die Landbrücke im Bereich der Beringsee nach Asien wanderten. Ein anderer Teil wanderte nach Südamerika aus und entwickelte sich dort zu den Neuweltkameliden.

Neuweltkameliden sind Paarhufer und zählen innerhalb dieser Ordnung zur Unterordnung der Schwielensohler (Tylopoda). Die Sohlenflächen der beiden Zehen sind mit dicken, federnden Schwielen gepolstert. Die Domestikation der Tiere begann etwa vor 7000 Jahren. Damit zählen sie zu den ältesten Nutztieren der Menschheit.

Alpakas

Alpakas, die wertvollen Nutztiere

Alpakas wurden zur Woll- und Fleischerzeugung gezüchtet. Es gibt heute weltweit ca. 3,5 Mio. Tiere. Züchterisch relevant sind derzeit vor allem die Huacaya Alpakas. Innerhalb der Alpakas (und auch der Lamas) gibt es aber auch eine eigenständige Zuchtform, die Suris (weltweit ca 3% der Alpakas). Diese unterscheiden sich durch Ihr Faserkleid. Die nachfolgenden Angaben gelten für beide Alpakatypen gleichermaßen.

Hengste erreichen ein Körpergewicht von 60-80 kg, bei einem Stockmaß von
75-100cm.
Stuten sind mit 50-60kg etwas leichter und erreichen ein Stockmaß von 75-95cm.
Die weiblichen Tiere sind mit etwa 12-14 Monaten zuchtreif. Die Tragzeit beträgt
335-365 Tage. Zwillingsgeburten sind anders als bei Schafen und Ziegen, sehr selten. Bei Lamas und Alpakas sprechen wir heute von ca. 22 Farbschlägen.
Die Alpakapopulation Südamerikas hat aber nicht mehr die Qualität und Vielfalt wie zu Zeiten der Inkas. Das bedeutet aber auch, dass noch viel Potential in der Zuchtarbeit steckt.

Es gibt einfarbige und gefleckte Tiere. Das Lebensalter von Lamas und Alpakas liegt bei bis zu 20 Jahren. Die Fruchtbarkeit der Stuten kann bis ins hohe Lebensalter erhalten bleiben.

Faser

Alpakafaser, ein wertvoller Rohstoff für außergewöhnliche Textilien

Die exzellente Faser der Alpakas, „das Flies der Götter“ macht diese Tiere so wertvoll. Darum stehen Feinheit, Dichte, Glanz und die Kräuselung (Crimp) im Focus der Alpakazüchter. Im Gegensatz zur Schafwolle kratzt Alpakafaser nicht auf der Haut.

Dies liegt neben den feinen Faserdurchmessern von ca. 15 bis 27 Micron (1 Micron=Eintausendstel Millimeter) an den geringeren Stufenhöhen der feinen Schuppen (0,4-0,3Mikron) jeder Faser. Schafwolle weist eine größere Schuppenhöhe (0,8Mikron) auf. Außerdem isoliert die Huakayafaser besser als Schafwolle.

Der weltweite Bedarf an Alpakafaser von optimaler Qualität ist bei weitem noch nicht gedeckt. Der Markt für Erzeuger solcher Fasern ist also groß und attraktiv. Voraussetzung wäre allerdings, dass hochwertige Alpakafaser, in ausreichender Menge, für die industrielle Verarbeitung bereitgestellt werden kann – davon kann in Europa noch lange keine Rede sein.

Faserwerte, Inca Group Einteilung:       

     Royal Alpaca

unter 20 Micron

     Baby  

20-22 Micron  (6% in Peru)

     Superfine 

bis 25.5 Micron

     Suri  

bis 27 Micron

     Adult  

bis 27.5 Micron

     Huarizo  

bis 32 Micron

     Llama 

bis 34 Micron

     Coarse  

34-36 Micron

Haltung

Zucht und Haltung von Alpakas

Alpakas sollen vorwiegend auf der Weide gehalten werden. Artgerecht ist eine Mindest-Weidegröße von 1000m² für 2 Tiere (>6Monate), plus 100m² für jedes weitere Tier. Dies gilt allerdings maximal für den Hobbyhalter, der sein Winterfutter zukauft und die Kotplätze auf den Weideflächen absammelt. Empfehlenswert für eine größere Herde und vernünftige Weidewirtschaft, ist allerdings etwa folgende Faustregel: 1Alpaka/1000m² . Nur so kann durch Wechselweiden (Portionsweiden), mit entsprechender Umtriebsplanung, auch das Winterfutter gewonnen werden.  Zusätzlich wird durch diese Wirtschaftsweise die Parasitenkette unterbrochen, was für die Gesunderhaltung der Tiere wünschenswert ist.

Alpakas sind genügsame Tiere, die sich in den Anden vorwiegend von einfachen Gräsern und Moosen dieser kargen Landschaft ernähren.

Gutes Heu aus erstem oder zweiten Schnitt (Grummet), insbesondere von Grasflächen mit vielfältiger, artenreicher Vegetation bzw. auch hochwertige Grassilage, reicht als Grundfutter im Winter völlig aus. Bei erhöhtem Energiebedarf, zum Beispiel bei trächtigen und laktierenden Stuten, kann auch Luzerne-Heu oder – Silage zugefüttert werden. Achtung: Bei Silage die erhöhte Infektionsgefahr mit „Clostridium botulinum“ und „Listerien“ beachten !

Ebenfalls gute Erfahrungen haben Züchter mit Ergänzungsfutter, für Tiere mit erhöhtem Energiebedarf, aus Getreidemischungen gemacht. Aber Vorsicht, nicht zuviel Protein füttern. Eine Mischung aus 1/3 Hafer, 1/3 Gerste, 1/3Mais (gequetscht) zum strukturreichen Heu dazuzufüttern ist in der Regel unbedenklich.

Mineralfutter zur freien Aufnahme soll in loser Form oder als Leckstein bereitgestellt werden.

Bei der Wahl des richtigen Mineralfutters sollte die Bodenzusammensetzung der Haltungsumgebung bzw. eine Futteranalyse berücksichtigt werden. Grundsätzlich muß aber auf ein ausgewogenes Calcium/Phosphor-Verhältnis geachtet werden. 

Zwischenzeitlich gibt es auch vorgemischte Futtermittel und Mineralfutter, speziell für Neuweltkameliden.